Hier geht‘s zum Auftakt unserer neuen Reihe Auf den Oldtimer gekommen.

Hier geht‘s zum Auftakt unserer neuen Reihe Auf den Oldtimer gekommen. Wie Oldtimerliebhaber von ihrem Oldtimer gefunden wurden.

„Ich stand wie gebannt und konnte den Blick nicht mehr abwenden.“

Wie Marie-Therese Hahn, die diesjährige Gewinnerin unserer Klassik Tour, auf den Oldtimer kam

Wollten wir die erste Begegnung zwischen Mensch und Maschine im Stil eines kitschigen Liebesromans durchexerzieren, würden wir so starten: Es war ein schwülwarmer Sommertag im August 2011. Einer jener Tage, an denen die Luft steht und nur auf den Platzregen wartet, der sich von einem Moment auf den anderen entlädt.

Auf dampfende Motorhauben und von der Hitze entnervte Oldtimer-Liebhaber. Einen dieser Liebhaber, die Rechtsanwältin Marie-Therese Hahn, traf es ganz unvorbereitet: Eine blaue Renault Alpine fuhr plötzlich um die Ecke und sah sie direkt an. „Ich stand wie gebannt und konnte den Blick nicht mehr abwenden. Es war Liebe auf den ersten Blick!“

Marie Therese Hahn und ihre Renault Alpine bleu.
Klassik Garage: Frau Dr. Hahn, war es wirklich Liebe auf den ersten Blick zwischen der Renault Alpine und Ihnen?

Dr. Marie-Therese Hahn (lacht): Ja, das war es tatsächlich. Die anderen Begleitumstände stimmen aber nicht:
Wir begegneten uns nicht im August, es war kein schwülwarmer Sommertag und es fing auch nicht plötzlich an zu regnen.

Klassik Garage: Sie waren in Ihrem ersten Leben Rechtsanwältin. Wie kommt es, dass Sie nun hauptberuflich nicht mehr Klienten-, sondern Benzingespräche führen?

Dr. Marie-Therese Hahn: Ich greife das Anfangsklischee der Liebesgeschichte zwischen Mensch und Maschine noch einmal auf: Es kam wie so etwas immer kommt: Über die andere, „wirkliche“ große Liebe in meinem Leben – meinen Mann. Mein Mann hatte schon ein Leben lang eine große Leidenschaft für Autos und insbesondere Oldtimer. Und so geriet ich plötzlich in die Verlegenheit, an alten Autos rumzuschrauben …

Klassik Garage: In der Anwaltsrobe nehme ich an.
Dr. Marie-Therese Hahn (lacht): Wie sonst? Nein, im Ernst: Im Übrigen trifft es assistieren besser. Es hieß dann: „Schatz, den 13-er Ringschlüssel bitte!“ Unser damaliges Auto, ein Mercedes-Benz 450 SL Cabrio aus dem Jahr 1974, wurde im Jahr 1995 dann auch unser Hochzeitsauto.

Klassik Garage: In so einem Auto lässt es sich heiraten! Wie ging es weiter mit den Oldtimern und Ihnen?

Frau Hahn und ihr Mann mit Renault Alpine

Dr. Marie-Therese Hahn: Es war ein langsames Kennenlernen. Ein gegenseitiges Abtasten und Beschnuppern, wenn Sie so wollen. Im Jahr 2008 kauften mein Mann und ich uns einen Porsche 911 2,4 S Targa, Baujahr 1971. Über eine Freundin kamen wir auch mit dem Rallyefahren in Berührung. Wie es der Zufall so wollte, schafften wir es bei dieser ersten Rallye auch gleich aufs Podest.

Klassik Garage: Der Beginn einer großen Leidenschaft.
Dr. Marie-Therese Hahn: Genau. Mein Mann und ich probierten von da an viele Veranstaltungen aus. Dabei stellten wir auch fest, dass der Porsche zwar ein wunderschönes Fahrzeug, für uns aber leider nicht das ideale Rallye-Auto war. Es gab mehrere interessante Wettbewerbe, bei denen wir nicht genommen wurden. Verständlich, denn wer will schon einen weiteren Porsche sehen, wenn im Fahrerfeld bereits 30 Porsche mitfahren …

Renault Alpine in action

Die Renault Alpine in Aktion.

Klassik Garage: Und dann kam der legendäre Tag, an dem Ihr Schicksal als Oldtimerfan endgültig besiegelt wurde.

Dr. Marie-Therese Hahn (grinst): Aus Ihrem Mund klingt das so fatalistisch. Aber Sie haben schon recht. 2011 trafen die Renault Alpine und ich erstmals aufeinander. Das war bei einer Oldtimerveranstaltung und tatsächlich rechnete ich überhaupt nicht damit. Sie fuhr ganz plötzlich um die Ecke und sah mich an.

Klassik Garage: Sie sah Sie an? Sie meinen, von Angesicht zu Angesicht? Wie bei zwei Menschen?

Dr. Marie-Therese Hahn: Es klingt seltsam, ich weiß. Doch so ähnlich habe ich es damals empfunden. Sie müssen aber zugeben, dass die Alpine wirklich eine besondere Ausstrahlung hat (lacht). Mein Mann und ich stellen immer wieder fest, dass dieses Auto auch bei anderen Menschen, zum Beispiel Rallye-Teilnehmern oder Zuschauern, große Aufmerksamkeit und viel Sympathie hervorruft. Und das, obwohl es bei Rallyes meist viel wertvollere oder seltenere Fahrzeuge gibt. Ich erkläre mir das mit diesem gewissen Etwas. Daneben kommt der Alpine natürlich eine hervorstechende Rolle im historischen Motorsport zu.

Klassik Garage: Wie kamen Sie denn überhaupt zu „Ihrer“ Alpine?
Dr. Marie-Therese Hahn: Durch Glück haben wir ein Jahr später einen Spezialisten in der Eifel gefunden, der unsere Alpine, eine A 110, 1600 S, Baujahr 1969, einen sogenannten „Scheunenfund“, nach unseren Vorstellungen und Bedürfnissen komplett neu aufgebaut hat.
Marie Therese Hahn und ihr Mann bei einer Oldtimerveranstaltung.

Klassik Garage: Was ist für Sie das typische „Oldtimer-Lebensgefühl“?

Dr. Marie-Therese Hahn: Zunächst einmal, dass ein Oldtimer entgegen der landläufigen Vorstellung im Alltag bewegt wird. Er ist schließlich ein Fahr- und kein Steh-zeug. Hinzu kommt die Optik: Meiner Meinung nach sehen moderne Autos alle sehr ähnlich aus. Oldtimer haben einen individuellen Look, einen eigenen Charakter, der von Oldtimer zu Oldtimer variiert. Das spiegelt sich auch im Fahrgefühl wider.

Klassik Garage: Inwiefern?

Dr. Marie-Therese Hahn: Es ist bei Oldtimern viel bewusster, viel ehrlicher als bei modernen Autos: Der Kontakt zur Straße ist spürbarer, der Motor lauter, die Technik viel weniger ausgereift. All das macht das Erleben ursprünglicher, irgendwie archaisch. Als Mensch, der im 21. Jahrhundert lebt und mit allen technischen Raffinessen umgeben ist, fühlt man sich im Oldtimer in eine Zeit zurückversetzt, in der das Lebensgefühl ein ganz anderes war. Und wenn man in seinem Oldtimer sitzt, kann man die Vergangenheit im Auto wieder aufleben sehen, kann sie in seinen Ledersitzen riechen und sogar fühlen – während man weiterhin Teil der Gegenwart ist. Für mich persönlich eine sehr faszinierende Mischung und eine wunderbare Erfahrung. Allerdings muss ich zugeben, dass ich die Alpine im Alltag nicht so häufig fahre.

Klassik Garage: Weshalb?

Dr. Marie-Therese Hahn: Im Wesentlichen aus zwei Gründen: Sie brauchen spezielle Schuhe, um diese Art Auto fahren zu können. Außerdem müssen Sie sich beim Ein- und Aussteigen an eine gewisse „Choreografie“ halten. Dazu sollten Sie wissen, dass die Alpine nur 110 cm hoch ist, während ich 1,81m groß bin … Neben der Alpine und dem Porsche haben wir inzwischen noch zwei weitere ältere Fahrzeuge in der Garage: Einen Porsche 993 Turbo, Baujahr 1995, und einen Ferrari Mondial Cabriolet aus dem Jahr 1992. Mit diesen Fahrzeugen fahre ich regelmäßig und aus den beschriebenen Gründen ausgesprochen gerne.

Klassik Garage: Die Oldtimerszene gilt als männerdominiert. Merken Sie das als Frau?

Dr. Marie-Therese Hahn (schmunzelt): In der Tat – die Oldtimerszene ist nach wie vor männerdominiert und Sie sind auch nicht die Erste, die mich danach fragt. Offen gestanden stellt sich die Frage für mich aber gar nicht. Denn heutzutage trifft man in der Szene auf immer mehr Frauen, die sich ebenso wie ich ganz selbstverständlich in dieser Welt bewegen. Übrigens haben auch unsere drei Töchter bereits ihre Leidenschaft für Oldtimer entdeckt. Sie finden es ziemlich „cool“, wie sie sagen, wenn sie in einem der alten Autos mitfahren können. Unsere älteste Tochter – sie ist 14 – will nächstes Jahr unbedingt als Beifahrerin an ihrer ersten Rallye teilnehmen und macht gerade einen Beifahrer-Lehrgang bei mir. Sie sehen, ich arbeite gezielt am weiblichen Nachwuchs.
Klassik Garage: Trotzdem noch einmal kritisch nachgefragt: Es gibt in puncto Oldtimer gar keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Dr. Marie-Therese Hahn: Oh doch, die gibt es! Mein Mann und viele mir bekannte Männer aus der Szene kennen sich mit allen technischen Fragen bis ins kleinste Detail aus – und natürlich schrauben sie, wenn es die Zeit zulässt, leidenschaftlich gerne an ihren Autos rum. Ich als Frau bin im Unterschied dazu eher fasziniert vom Design eines Oldtimers, seinem spezifischen Stil, der sich in seinem Charakter und den vielen kleinen liebevollen Details widerspiegelt.

Klassik Garage: Diese Faszination führte dazu, dass Sie Anfang des Jahres Ihre Leidenschaft für Oldtimer zum Beruf machten.

Dr. Marie-Therese Hahn: Exakt. Der Usinger Anzeiger formulierte das kürzlich in einem Artikel über meine Geschäftspartnerin Sarah Morgan und mich sehr anschaulich. Dort stand, Sarah und ich hätten unser pochendes Herz für alte Fahrzeuge auf unsere Internet-Plattform www.gran-classic.com gelegt. Ziel dieser Plattform ist es, sämtliche Informationen, die Oldtimer-Liebhaber interessieren, kompakt, übersichtlich und lebendig zusammenzustellen. Denn bei meinen vielen Begegnungen in der Oldtimerszene habe ich immer wieder die gleichen Fragen gehört: „Kennst du nicht einen geeigneten Restaurator für diesen bestimmten Fahrzeugtyp? Wer bietet passende Ersatzteile und Zubehör für mein Fahrzeug an? Welche Versicherung ist die beste für mein Auto?“ Darauf und auf viele andere Fragen möchten wir Antworten geben.
Klassik Garage: Verraten Sie uns zum Abschluss einen Oldtimertraum, den Sie sich noch nicht erfüllt haben?

Dr. Marie-Therese Hahn (lächelt): Ein wirklicher Traumwagen ist für mich der Aston Martin DB5, auch bekannt als James Bond-Auto. Ich fürchte nur, dass das angesichts der derzeitigen Preisentwicklung auch ein Traum bleiben wird …
Marie-Therese Hahn und „ihre“ Renault Alpine haben in den vergangenen Jahren übrigens schon viele gemeinsame Erfolge gefeiert: Nach Spitzenplatzierungen bei der Ennstal Classic und dem Gaisbergrennen errangen sie dieses Jahr bei der renommierten Schloss Bensberg Classic zum dritten Mal in Folge den Sieg in der sogenannten „Sanduhrklasse“. Und auch bei unserer diesjährigen Klassik Tour verhalf die Renault Alpine Marie-Therese Hahn und ihrer Beifahrerin Sarah Morgan zum ersten Platz. Ganz so, wie sich das für ein eingespieltes Team gehört.

Bild Frau Hahn und Frau Morgan
Strahlende Gewinnerinnen der letzten Klassik Tour Kronberg: Marie Therese Hahn und Sarah Morgan.