Unsere Autos sind Spiegel unserer gemeinsamen Geschichte.

WIE SARAH MORGAN AUF DEN OLDTIMER KAM

„Oldtimerliebe hält ein Leben lang.“ (Sarah Morgan)

Schmitten-Arnoldshain im Jahr 2009 – Sarah Morgan, Art-Direktorin im Taunus und Oldtimerliebhaberin, kehrt an einem verregneten Sonntagnachmittag von einem längeren Auslandsaufenthalt zurück. Sie öffnet das Garagentor und glaubt zu träumen: Zwei leuchtend gelbe Augen blicken ihr aus der Dunkelheit entgegen. Was sie erkennen kann ist sportlich, grün, edel geschnitten. Und entlockt Sarah zunächst nur ein Stammeln „Wer hat bei uns …, es wird doch nicht …, es ist unseres!“

London, 14 Jahre zuvor – Oldtimer fahren bedeutet für Sarah Morgan noch ein echtes Fahrgefühl zu erleben: Den durchdringenden Motor hören. Fühlen, wie die Gänge beim Schalten ins Getriebe einrasten. Den intensiven Benzingeruch einatmen, der die Sinne angenehm benebelt und uns zurückkatapultiert in eine Zeit, in der ein Auto noch ein Auto ist. Nicht reduziert auf Gleichheit und Strömungswiderstandswerte, ohne elektronische Einpark- und Bremshilfe. Ein Fahrzeug mit gut sichtbarem Motor in der geöffneten Motorhaube. Mit einer Farbenvielfalt, die nicht jedermanns Fall ist, aber immer ins Auge sticht: Knall-Gelb, Baby-Blau, Alt-Weiß. Pur und durch und durch ehrlich bis unter die designte Motorhaube.

Strahlende Gewinnerin der Klassik Tour 2015

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Als Sarah Morgan in London jenen Mann kennenlernte, der sie mit der Oldtimerszene in Berührung brachte und den sie Jahre später heiratete, waren es diese Eigenschaften, die ihre spontane Sympathie weckten: „Früher haben die Konstrukteure Autos aus Leidenschaft gebaut. Das Design stand im Vordergrund und jedes Detail wurde nicht nur als wichtiger Bestandteil behandelt, sondern selbstbewusst in Szene gesetzt, egal ob es sich um die Instrumente, die Speichenräder oder einfach nur einen Türgriff handelte. Diese Detailverliebtheit schätzen Oldtimerenthusiasten noch heute sehr“, erklärt sie mit einem breiten Lächeln, das sie sogleich als Teil dieser Spezies entlarvt. London bot Sarah die ideale Plattform, ihren eigenen detailverliebten Blick zu schärfen. „Da die Engländer ihre Oldtimer lieber fahren als parken, sind meinem Mann und mir in unserer Londoner Zeit sehr oft Oldtimer auf der Straße begegnet“, erzählt sie. „Ein guter Freund von uns fuhr selbst einen und das beeindruckte uns ziemlich. Das war ein roter MG Midget, ein typischer englischer Oldtimer. Eine echte Augenweide“, erinnert sie sich. Wir sehen ein verräterisches Leuchten in ihren dunkelbraunen Augen und ahnen bereits, wie die Geschichte weitergeht. „Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, wie mein Mann und ich es irgendwann so einrichteten, dass wir scheinbar zufällig immer dann bei unserem Freund vorbeikamen, wenn er gerade seinen MG spazieren fahren wollte. Irgendwann durchschaute er unser Spiel und lud uns gezielt ein.“ Von da sei es nur noch eine Frage der Zeit gewesen, bis sie und ihr Mann „vollends infiziert“ waren. Mit jener unheilbaren Krankheit, die in Expertenkreisen auch bekannt ist als „Oldtimerliebe“. „Nachdem der Funke übergesprungen war, begannen wir uns nach unserem ersten eigenen Oldtimer umzusehen – natürlich einem britischen Modell“, fährt Sarah fort.

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Was reizte die gebürtige Italienerin an der englischen Oldtimerszene? Wir erinnern uns: England hat eine große Tradition im Oldtimerbereich. Viele Kultmarken haben ihren Ursprung auf der Insel. Man denke nur an kraftstrotzende Namen wie MG, Morgan, Triumph, Jaguar, Austin Healey. Und natürlich Aston Martin, der Titan unter den Sportwagen. Allesamt raue aerodynamische Karosserien mit der typischen englischen Liebe zum Detail. Wie dem Flakon eines exotischen Dufts entströmt jedem dieser Markennamen ein anderes Flair. Ein Lebensgefühl, das mit dem Design des Oldtimers verzahnt ist, zugleich aber weit darüber hinausgeht. Wir hören „Aston Martin“, und vor unserem inneren Auge sehen wir James Bond, wie er mit undurchdringlicher Miene in sein schnittiges Coupé steigt, das dieselbe mattsilberne Farbe hat wie die Nebelwand der schottischen Hochlandkulisse hinter ihm. 007 legt den Gang ein, lässt die Kupplung langsam kommen. Dann röhrt der kraftvolle Motor auf. Mit einem kräftigen Ruck werden wir in den Sitz zurückgedrängt, und im nächsten Moment jagen wir die steilen schottischen Haarnadelkurven hinunter, fühlen den Kontakt zur Straße durch den harten Ledersitz hindurch, wenn wir uns in die engen Kurven neigen, vorbei an moosgrünen Berghängen und trägen Hochlandrindern. Einmal mit James Bond im Aston Martin durchs schottische Hochland jagen – das kann sich Sarah Morgan ebenfalls gut vorstellen. Und auch einem Aston Martin gegenüber ist die Italienerin nicht abgeneigt.

Es war jedoch ein anderes schnittiges Sportcoupé, das an jenem verregneten Sonntagnachmittag vor sieben Jahren in der Garage auf sie wartete: ein TR 4 in British Racing Green. Ein Geschenk ihres Mannes, das sie an den Beginn ihrer Oldtimerliebe in London erinnern sollte – und natürlich an deren Auftakt, ohne den diese Passion undenkbar wäre: die Liebe zu ihrem Mann. Inzwischen haben sich zu ihrem schmucken Erstwagen noch zwei deutsche Oldtimer hinzugesellt: ein blutorangener Porsche 911 T Targa, Baujahr 1970, und ein Porsche 911 SC, Baujahr 1982, in Weiß. Wir ahnen: Die Wahl der Modelle ist kein Zufall. Sarah lehnt sich in ihrem Sessel zurück und bestätigt unsere Vermutung mit einem Schmunzeln: „Mein Mann und ich haben uns zum Ziel gesetzt, unsere gemeinsame Geschichte in Oldtimern widerzuspiegeln: In London fing alles an, weil wir uns dort kennenlernten. Die beiden deutschen Porsches haben wir, weil mein Mann Deutscher ist. Und wie Sie wissen habe ich die italienische Staatsbürgerschaft …“ Sie unterbricht sich, streicht sich eine dunkelblonde Haarsträhne aus der Stirn, und wir erkennen wieder dieses verräterische Leuchten in ihren Augen. Der letzte Satz bleibt im Raum hängen, wartet darauf, dass sie ihn weiterspinnt. Wir lassen den Blick durchs Wohnzimmerfenster über den sonnenbeschienenen Innenhof schweifen. Unwillkürlich bleiben unsere Augen an etwas hängen, das vor der Garageneinfahrt steht: Eine Vespa in Giallo Cromo. Sarah begegnet unserem Blick, beugt sich in ihrem Sessel zu uns vor und ihre Stimme bekommt einen verschwörerischen Unterton. Sie wispert: „Baujahr 1969.“ Wir wissen: Ihre ganz persönliche Oldtimergeschichte wird weitergeschrieben.

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Vespa in Giallo Cromo

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