Autoquartett hautnah!

200 Fahrzeuge beim Concours d’Élégance, Auktionen von Gooding & Company, RM Sotheby’s und Bonhams, die Kollektion der RetroAuto, die Straßen voller außergewöhnlicher Fahrzeuge: Seit den 1950er Jahren ist die Pebble Beach Auction Week das Sommer-Highlight der Auktionssaison. Wie lassen sich die Auktionsergebnisse interpretieren und wie ist es eigentlich so vor Ort? Wir sind dazu im Gespräch mit einem Besucher, der dieses Jahr zum ersten Mal live dabei war, und Stefan Hillers, unserem auktionserfahrenen Fachmann der Klassik Garage Kronberg.

Wie ist denn das Gesamterlebnis „Pebble Beach Auction Week“?
B: Toll. Beeindruckend. Abwechslungsreich. Und ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich kenne ja die Gegend und insbesondere Carmel schon von früheren Aufenthalten. Während der Auction Week war nun die Atmosphäre wirklich eine ganz andere: Der Küstenstreifen von Carmel nach Monterey ist geprägt von besonderen Fahrzeugen. Nach einem Lamborghini dreht man sich schon gar nicht mehr um. Man hört es auch: So viele seltene Motorengeräusche!
Insgesamt passiert so viel mehr als nur die Auktionen und der Concours d’Élégance. Allein Rolls Royce war mit 40 Autos vertreten, 20 davon im Probefahrbetrieb. Die 70 Meilen pro Stunde merkt man kaum bei 2,7 Tonnen. Überall gibt es ungewöhnliche Autos zu sehen, einen hochbeinigen Mercedes, beispielsweise, sieht man sonst kaum.

Wie ist Ihr Eindruck der Auktionen?
B: Samstagnachmittag war ich auf der Auktion von Gooding. Da habe ich den Auktionator bewundert. Hochkonzentriert bringt der mehr als 170 Fahrzeuge unter den Hammer ohne einen einzigen Fehler oder Versprecher. Und am Ende stehen dann 100 Millionen Dollar Umsatz mit einer Auktion. Erstaunlich bei den Bieter-Gefechten war die Disziplin, die da herrschte. Da bieten Profis und der Hammerpreis bleibt am Ende, zum Teil trotz Gefecht, unter dem estimated price oder es kommt zu keinem Verkauf.

SH: Ja, das ist eine Entwicklung, die sich auch in Paris Anfang des Jahres stark gezeigt hat. Da kommt es in der Auktion zu keinem Abschluss und die Geschäfte finden dann später hinter verschlossenen Türen statt. Oft ist es aufschlussreich sich nach der Auktion die Ergebnisse anzuschauen. Da stehen dann mehr verkaufte Autos, als in der Auktion selbst einen Zuschlag erhalten haben.

Welche Unterschiede gab es zwischen den einzelnen Auktionshäusern?
SH: Hier hat sich der Trend dieser Auktionssaison weiter gezeigt. Gooding und RM liefen solide, wohingegen Bonhams unter den Erwartungen blieb.
B: Wer gute Autos hat, geht zu Gooding oder RM. Wer sein Auto loswerden will, zu Bonhams. Einfach, weil die Auswahl bei Gooding und RM strenger ist, und auch nur ein Fahrzeug pro Modell in die Auktion aufgenommen wird. Da wird dann natürlich das Auto im besten Zustand ausgewählt.

Welche Autos sind gefragt?
B: Besondere Autos waren sehr begehrt. Da geht zum Beispiel ein kleines Kitsch-Fahrzeug, wie der 1960 Fiat 600 Jolly, für 154.000 Dollar weg. Aber „unique“ zu sein, reicht dann auch nicht. Das Fahrzeug muss allgemeines Gefallen finden.

Fiat Jolly
SH: Auch Autos mit einer besonderen Historie sind für viele Bieter spannend. Nach wie vor ist Porsche als Marke stabil und die Fahrzeugpreise entwickeln sich gut. Der 2015 Porsche 918 Spyder mit einem Hammerpreis von 1.842.500 Dollar zeigt da die Benchmark im Markt.

Welche Autos haben enttäuscht?
SH: Ein gutes Beispiel dafür ist der Ferrari Daytona. Da sind momentan viele auf dem Markt, die keine Topqualität haben und natürlich keine Toppreise erzielen. In den Köpfen setzt sich dann fest, dass man für einen Daytona nicht viel zahlen muss. Die Besitzer von guten Modellen wollen dann aber nicht verkaufen. Da bleibt nur die Hoffnung, dass bald ein sehr guter Daytona mit spezieller Historie auf den Markt kommt, sich die öffentliche Meinung wieder ändert und dann auch die Preise nach oben gehen.
B: Der Ferrari Daytona war einige Zeit im Trend. Da kaufen auch Nicht-Kenner so ein Modell als alternative Sachanlage. Die wissen jedoch nicht unbedingt, wie man so ein Modell behandeln sollte. Es kommt zum Wartungsstau und so zum Wertverlust, wenn die Autos wieder auf den Markt kommen. Kenner wollen diese Autos dann nicht kaufen. Die Erfahrung zeigt, der Markt bereinigt sich da selbst.

Welches Auto hätten Sie gern mit nach Hause genommen?
B: Den 1954 Aston Martin DB2/4 Drophead Coupé: ein absolutes Traumauto in einem zauberhaften Blauton. Der ging bei Gooding für 1.430.000 Dollar weg und der Käufer hat sich gefreut wie ein kleines Kind.

Wie ist Ihr Eindruck des Oldtimer-Marktes?
B: Ich denke, die Zeiten sind vorbei, in denen sich Leute einen Oldtimer kaufen, nur weil er im Trend ist oder um nichts zu verpassen. Die Spreu der Käufer hat sich vom Weizen getrennt.
SH: Wie in allen Märkten, setzt sich nach einer gewissen Zeit Nachhaltigkeit durch. Der Markt passt sich bezogen auf die Qualität der Fahrzeuge an die Wertvorstellungen der langjährigen Oldtimerenthusiasten an. Oldtimer sind auf die Dauer keine kurzfristigen Spekulationsobjekte. Die Identifizierung mit dem Fahrzeug und die Freude am Hobby sollten immer im Vordergrund stehen.

cadillac cyclone

Gibt es Unterschiede zwischen der amerikanischen, europäischen und deutschen Oldtimer-Leidenschaft?
SH: Der amerikanische Markt ist, bezogen auf die Fahrzeugvielfalt, -anzahl und zahlungskräftigen Sammler, einfach viel größer als in Europa. Zum Teil aber auch um einiges entspannter und offener für ausgefallene Fahrzeuge.
Was ist Ihr Fazit der Pebble Beach Auction Week? Fahren Sie wieder hin? Was sind Ihre Tipps für andere?
B: Ich will nächstes Jahr auf jeden Fall wieder hin und empfehle das jedem, der sich für Autos interessiert. Als Tipp kann ich weitergeben: Nicht nur die Auktionen besuchen, sondern das Gesamterlebnis genießen. Das heißt, auch zu den Herstellern zu gehen, sich neue Modelle anzuschauen, ruhig zu Fuß durch die Straßen zu schlendern und die vielen geparkten Autos am Straßenrand zu bewundern – da kommt man auch schnell mit den Eigentümern ins Gespräch. Besonders gut kann man den Samstag nutzen. Viele der Fahrzeuge für den Concours d’Élégance stehen schon. Da kann man sich dann ohne den Trubel am Sonntag ganz in Ruhe die Fahrzeuge ansehen.