Erfahrenes Allroundtalent:
Mechaniker Michael Schomberg im Porträt

Multi-Tasking-Fähigkeiten werden Männern im Allgemeinen ja nicht unbedingt nachgesagt. Wer es mit Klassik Garage-Mechaniker Michael Schomberg zu tun hat, kann aber schon mal ins Grübeln kommen…

 

Die Zündprobleme eines angeknockten Zuffenhausener Boxers meistert er genauso souverän wie den Zahnriemenwechsel beim Testarossa. Wenn er die störrischen SU-Vergaser eines E-Type in die Finger kriegt, werden sie lammfromm. Und falls mal ein 6.3er-Mercedes mit seiner Luftfederung durchhängt, wird auch der mit viel Know-how wieder auf die Beine gebracht: Was Michael Schomberg anpackt, wird gut – weshalb er mit seiner außergewöhnlichen Mechaniker-Vita eine Idealbesetzung im Werkstatt-Team der Klassik Garage Kronberg ist.

Die Technik ist entscheidend

Citroën DS, Jaguar E-Type, Mercedes Pagode oder Porsche 911 – an so unterschiedlichen Klassikern zu schrauben, das klingt erstmal wie der wahr gewordene Traum jedes Kfz-Mechanikers. Doch bei aller Faszination kann die Sache auch schnell zum Albtraum werden, wenn man den Blick fürs Wesentliche verliert. Bei Michael Schomberg ist das ganz sicher nicht zu befürchten: Wer dem Routinier in der Werkstatt über die Schulter schaut, bemerkt schnell, dass hier einer sein Handwerk versteht – das Anhimmeln überlässt er lieber anderen…

Dass Glanz und Gloria erstmal nur eine Nebenrolle spielen, sobald es auf der Hebebühne ans Eingemachte geht, ist nur konsequent. Schönheit kommt schließlich von innen! So hat der sympathische Hesse zunächst eine ganz pragmatische Sichtweise auf seinen Traum-Job, bei dem er große Namen auch mal ausblenden kann, um voll und ganz bei der Sache zu sein.

 

Klassik Garage Kronberg - Michael Schomberg

Unter irgendeiner Haube ist Michael Schomberg fast immer zu finden – und beim 911er nur selten vorn…

 

„Ich achte nicht so sehr aufs Emblem, das vorne drauf ist“, sagt er, „sondern bin eigentlich immer gleich bei den technischen Details unterm Blech. Mich interessiert erstmal, wie die gemacht sind und wo ich ansetzen muss, um die Dinge bei der Wartung oder bei Restaurierungen in den Griff zu kriegen. Aber Momente, in denen man mal ein bisschen ums Auto guckt, gibt’s natürlich auch, ist doch klar.“

Herausforderungen statt Routine

Erst die Arbeit also – und dann zumindest ein bisschen Vergnügen. Eine gesunde Einstellung. Wer kann sich schon der Ausstrahlung der Klassiker komplett entziehen, mit denen wir es hier zu tun haben? Etwa dem Patienten namens Porsche, mit dem sich Michael gerade beschäftigt. Der 911er S, der halb zusammengebaut auf der Hebebühne hängt, steckt quasi mittendrin in einer Komplettrestaurierung, etliche Teile des gelben Targa von 1970 sind noch aufzuarbeiten. Oft genug ist in solchen Fällen ein gewisses Improvisationstalent gefragt, um auch unscheinbare Details zu bewahren, statt sie gleich ins Jenseits zu befördern!

 

„Bei der Restaurierung bist Du vielmehr gefordert als bei den Routinearbeiten, ich mag das“

 

Zum Beispiel die offensichtlich ruinierte Verschraubung der Edelstahl-Blende, die dem Targabügel mit ihrer gebürsteten Oberfläche normalerweise diese überaus charmante Optik verleiht. Die deformierten Haltebolzen der Blende kann der Fachmann mit einer kunstfertigen Rettungsaktion allerdings wieder richten – was durchaus Symbolcharakter hat.

„Bei den Restaurierungen gibt’s ständig Baustellen, die Dich herausfordern, selbst wenn es nur die kleineren Sachen sind. Du musst Dich richtig reindenken und bist vielmehr gefordert als bei den Routinearbeiten, ich mag das. Außerdem kommen hier ja immer wieder auch neue Aufgaben dazu, weil wir viele verschiedene Autos betreuen und uns eben nicht nur auf eine Marke oder ein Modell wie den 911er spezialisieren. Das macht das Ganze nochmal anspruchsvoller, aber auch abwechslungsreich, was für mich ganz klar der größte Anreiz ist.“

Anfänge mit Opel

Weniger Schema F, sondern öfter mal was Neues: Mit diesem Credo ist der gebürtige Frankfurter auch sonst immer gut gefahren. Hat er doch in seinem fast vierzigjährigen Berufsleben auch mal mutig umgesattelt – und zwischendurch erfolgreich aufs wohl berühmteste Pferd der Automobilhistorie gesetzt!

Die ersten enthusiastischen Schrauber-Schritte macht der kleine Michael jedoch lange vor der Ferrari-Episode. Zunächst ist es vor allem die hessische Hausmarke, die ihn beeinflusst, wobei seine Erfahrungen als 13-Jähriger sozusagen noch unter das Label Auto-didaktisch fallen. Immerhin lernt er an diversen Opel-Konstruktionen diese gewisse deutsche Gründlichkeit zu schätzen: „Egal ob jetzt Rekord, Kadett oder Ascona, ich finde, die hatten immer eine klar strukturierte Technik, das hat mir von Anfang an gefallen. Mit denen bin ich ja groß geworden, und sowas prägt.“

Beruflich französisches Flair…

Das Faible für die Rüsselsheimer Marke pflegt Michael mit seinen Lieblingen aus den Siebzigern nach wie vor – aktuell Manta und Kadett. Aber der sympathische Hesse ist alles andere als ein eindimensionaler Typ und guckt gern über den automobilen Tellerrand. Was ihn auch bei der Berufswahl beeinflusst, bei der er lieber gleich den etwas exotischeren Weg wählt.

Während die Kumpels reihenweise in Werkstätten mit dem Blitz anheuern, zieht es ihn 1979 zunächst für ein Praktikum zu einer örtlichen Citroën-Vertretung – wo er das französische Savoir Vivre kennenlernt: „Ich hab’ mich da anscheinend gleich richtig angestellt, der Chef war jedenfalls so angetan von mir, dass ich ohne weiteres mit der Ausbildung anfangen konnte. Heute sind die Franzosen längst im Mainstream angekommen, aber in den Siebzigern hatten sie ja nur eigenwillige Autos. GS, CX und auch Visa, die konntest Du eigentlich nur lieben oder hassen, mal abgesehen von der Ente. Ich fand’s aber eine gute Schule. Denn die Autos waren teilweise so verbaut, dass man sich vorher schon eine gute Strategie überlegen musste, um bei der Wartung an alles ranzukommen!“

… privat der American Way of Life

Mit mehreren CX („immer nur Benziner“) macht Michael später seine eigenen (positiven) Erfahrungen, insofern beantwortet das die Frage nach seiner Affinität zur Marke. Als frischgebackener Geselle und endlich mit Führerschein legt er sich mit 18 aber erstmal keinen Citroën zu, sondern einen echten Oldtimer.

 

„Ebay war weit weg – die umliegenden Schrottplätze der Region dagegen ganz nah“

 

Oder besser gesagt einen Oldschool-„Schlitten“: Der 1962er Cadillac ist ein echtes Statement – und natürlich das genaue Gegenteil eines Franzosen! Die schneeweiße Limousine sorgt zwar in der Nachbarschaft für viel Getuschel – aber sie macht mit dem klassischen V8-Bigblock eben auch einen Mordsspaß!

„Damals standen ja auch noch mein Rekord P2 und ein tiefergelegter B-Ascona vor der Tür. Da waren die Leute schon skeptisch, was ich so für Geschäfte mache. Aber davon hab‘ ich mich nicht bremsen lassen. Mit dem Caddy war ich viel unterwegs und bin oft auf Treffen gefahren, um Kontakte zu knüpfen. Einfach so online vernetzen konntest Du dich damals ja nicht!“

Pferdestarke italienische Boliden

Auch Ebay war weit weg – die umliegenden Schrottplätze der Region dagegen ganz nah! Klar, dass der Frankfurter Bub hier regelmäßiger Gast ist, zumindest solange, bis die Bundeswehr ihn ruft, wo er die Schrauberkarriere zunächst fast nahtlos fortsetzen kann. „Die haben mir zwar angeboten, mich zu verpflichten und den Meister zu machen, aber mich zog’s dann doch lieber wieder zurück in die Werkstatt nach Frankfurt.“ So sammelt Michael insgesamt 15 Jahre Citroën-Erfahrung, wobei er gegen Ende der Achtziger nochmal zu einer anderen Vertretung wechselt.

Das Kapitel mit dem berühmten springenden Pferd beginnt für ihn just in jenem Jahr, als auch ein gewisser Michael S. aus Kerpen in Maranello engagiert wird, Sie erinnern sich? Allerdings geht der Wechsel unseres Michael etwas zügiger über die Bühne: „Ein Freund kam mit der Zeitung an, in der eine Stellenanzeige vom Ferrari-Händler hier in Frankfurt drin stand. Ist natürlich eine ganz andere Hausnummer, aber ich dachte, zu verlieren haste ja nichts. Also bin ich rüber und hab’ die Bewerbung selbst abgegeben, wobei sich gleich ein netter Small-Talk mit dem Geschäftsführer ergab. Nach zwei offiziellen Gesprächsrunden hatte ich dann den Job, wie der andere Michael auch, das war schon klasse!“

 

„Wo andere sich die Finger verbrennen würden, bleibt Michael ganz cool – und kommt keineswegs ins Schwitzen“

 

Nach deutscher Gründlichkeit und französischem Laissez-faire nun also heißblütiges italienisches Temperament? Wo andere sich die Finger verbrennen würden, bleibt Michael ganz cool – und kommt keineswegs ins Schwitzen. Denn ganz so sensibel, wie es gerne kolportiert wird, sind die wilden Pferdchen aus der Emilia-Romagna nicht, weshalb er den Sprung zu Ferrari damals gar nicht als so groß empfindet, wie er sagt. Sicher ist noch ein Stück weit mehr Empathie als anderswo gefragt – aber Berührungsängste sind auch in einer Ferrari-Werkstatt fehl am Platz.

Viel Feinarbeit

Gewöhnen muss man sich als Mechaniker allerdings an die Dimensionen, in denen die italienischen Ingenieure denken, wenn es um die Wartung ihrer Heißblüter geht. Dass für Zahnriemenwechsel die Motoren ausgebaut werden, ist eben völlig normal! So verwundert es nicht, wenn für die große Inspektion eines Testarossa eine schlanke Arbeitswoche mit 40 Stunden vorgesehen ist!

„Beim 348 und später beim 355er war’s etwas weniger, weil sie die Aufnahmen der Motoren verändert haben und der ganze Antriebsstrang dann leichter zu demontieren war“, erinnert sich Michael, „so konnte man zum Beispiel auch die Ventilführungen des Fünfventilers schon etwas zügiger wechseln. Was bei den ersten 355er-Versionen des Öfteren vorkam, da waren die Teile nämlich nicht ganz so standfest.“

Auszeit von Autos

Wie sein berühmter Namensvetter, der mit den hochgezüchteten Pferdchen in der Formel 1 seine eigene Geschichte schreibt, bleibt Michael der ruhmreichen Marke aus Maranello zehn Jahre treu. Dann gibt er dem Cavallino Rampante den Laufpass – und dreht sein berufliches Leben sozusagen nochmal komplett auf links, indem er sich mit einem Freund zusammen tut. Der vertreibt finnische Blockhütten und baut sie für Kunden aus ganz Deutschland auch auf.

 

Gewusst wie: Die sensiblen Weber-Vergaser des Opel CIH-Vierzylinders finden ihren Meister

 

„Es war schon ein bisschen die Luft raus, nach mehr als 25 Jahren in der Werkstatt“, bekennt der 53-Jährige ehrlich, „außerdem wehte bei Ferrari durch verschiedene Veränderungen ein anderer Wind. Die Sache mit den Blockhütten ergab sich dann eben so, und es passte erstmal für eine Weile. Auf längere Sicht wäre der Job aber auf noch mehr Hin- und Herfahrerei rausgelaufen, und das wollte ich nicht. Ich bin in Frankfurt zuhause, die Familie ist hier, deshalb hab’ ich mich dann eben wieder umgehört.“

Klassik statt Masse

Nochmal zurück in eine mehr oder weniger exklusive Vertragswerkstatt, das kommt für Michael nicht in Frage. Im Gegensatz zum Angebot der Klassik Garage – in deren Werkstatt er sich jetzt seit mittlerweile fünf Jahren so richtig austobt!

 

Hier versteht einer sein Handwerk: Feintuning am frisch eingestellten Sechszylinder-Boxer

 

Ob rare Alfa-Sportler, englische Wildkatzen, Stuttgarter Sternenkreuzer oder Zuffenhausener 911er-Ikonen – auf seiner Hebebühne wird’s nicht langweilig. Und wenn bei aller nötigen Routine selbst vermeintlich simple Wartungsaufträge zur echten Herausforderung werden, dann ist das natürlich genau nach seinem Geschmack!