Der ultimative Problemlöser: Mechaniker Siggi Walz im Porträt

Wer in der Rallye-WM Kaliber wie den Audi Quattro zum Laufen gebracht hat, den kann auch in der Klassik Garage Kronberg so schnell nichts schocken: Multitalent Siggi Walz ist ein Mann für alle (Härte-)Fälle – und hat manchmal auch Zeit für ein nettes Gespräch…

Der Vater hat’s vorgemacht, und so steckte auch Sohnemann Siggi sehr bald mit schwarzen Fingern mittendrin in der Mechanik von allem, was Räder hat: Für den neunjährigen Steppke von damals war es ein langer und vielleicht auch vorbestimmter Weg, der über einige Umwege in die Klassik Garage Kronberg führte. Dazwischen liegen gleich mehrere erlernte Handwerksberufe, Motorsport auf Top-Niveau und mithin jahrzehntelanges Know-how – das im täglichen Umgang mit historischer Technik auf besonders fruchtbaren Boden fällt…

Auch im Servicewagen der Oldtimerrallye eine Idealbesetzung

Welche Qualitäten den gebürtigen Braunschweiger auszeichnen, das wissen insbesondere die Teilnehmer der Klassik Tour Kronberg zu schätzen, bei der das Werkstatt-Urgestein zum Stammpersonal zählt. Gerne würde man zwar darauf verzichten, mit dem Schätzchen eine Zwangspause einzulegen, wenn es auf der Etappe gerade richtig rund läuft. Aber irgendwie ist es ja auch ein beruhigendes Gefühl, wenn der Servicewagen mit Walz in der Nähe ist: Denn es steigt eben kein achselzuckender ADAC-Mann aus, der angesichts sensibler historischer Technik allenfalls den nächsten Abschlepper herbeirufen kann.

Wir wollen weiß Gott nichts gegen die Gelben Engel sagen – aber wenn sich Siggi Walz der Sache annimmt, kann man ziemlich sicher sein, dass es auch in besonders verzwickten Fällen weitergeht. „Über Langeweile können wir Mechaniker uns bei den gut 100 Fahrzeugen, die mittlerweile mitmachen, nicht beklagen“, sagt er, „meistens sind es ja auch nur kleinere Sachen wie Batterieschäden oder Probleme mit der Spritzufuhr. Aber hin und wieder geht’s eben auch ans Eingemachte, und da musst Du dann dranbleiben, den Wagen ins Ziel holen und zur Not auch mal eine Nachtschicht einlegen!“

Einsatz im Motorsport – eine Schule der Extreme

Mit Extremsituationen kennt sich der routinierte Profi zweifellos aus: Aufgrund des Hobbys seines damaligen Chefs war der Weg zum Servicemechaniker eines Rallye-Teams in den Achtziger Jahren geradezu vorprogrammiert – und dort sind schnelles Denken und zielstrebiges Handeln das A und O. Die Rallyewelt war seinerzeit gerade im Umbruch von den spektakulären Gruppe-B-Boliden zu den eher seriennahen Autos, die zwar weniger Leistung boten, aber der Crew nicht weniger Einsatz abverlangten als vorher: „In der WRC ist heute ja alles top vorbereitet und du siehst, dass selbst die kleinen Teams Zelte mit allem Pipapo haben. Wir hatten damals maximal einen großen Regenschirm, und wenn’s passte, kam vielleicht noch eine Plastikplane drunter“, erinnert sich Walz.

Als Problemlöser tut sich Siggi Walz bei seiner Arbeit in der Klassik Garage Kronberg hervor.

Als Problemlöser stellt sich Mechaniker Siggi Walz der nächsten großen Oldtimer-Aufgabe in der Klassik Garage Kronberg.

„Der Stützpunkt war damals in Hochheim, unser Teamchef hat für Einsätze bei DMV-Läufen verschiedene Rallyefahrzeuge mit kompletter Servicebetreuung vermietet. Die irren Gruppe B-Autos und Piloten wie Kankkunen oder die Mouton haben wir zwar noch kennengelernt, bei uns waren aber zum Beispiel Opel Ascona, der Urquattro oder der Lancia Delta HF 4WD dabei, auch Klassiker wie ein Escort BDA.“ So oder so eine reizvolle Mischung, könnte man sagen, bei der Rallye-Fans mit der Zunge schnalzen. Dazu zählt nicht zuletzt auch der BMW M3: Sonst als einer der erfolgreichsten Tourenwagen der Welt bekannt, hatte der Bajuware auch in der Rallye-WM einige bemerkenswerte Auftritte, vornehmlich in der Gruppe A.

Mittendrin im nimmermüden Rallye-Tross

Walz indes erlebt 1987 die Premiere des Gruppe-N-M3 hautnah mit: „Wir haben aus einem Top-Rundstreckenauto ein ordentliches Rallyeauto gemacht, das war schon ’ne gute Schule. Die M3, die wir vorbereiteten, waren für fast eine komplette Saison an Jari Niemi vermietet, einen Finnen, der vorher den Quattro fuhr. In Portugal und auf Korsika ging’s holprig los, und dann sollte in Griechenland bei der Akropolis der Knoten platzen. Nur leider sind uns dann die Autos vor der Veranstaltung geklaut worden, und als sie später wieder auftauchten, war die WM eigentlich schon so gut wie gelaufen!“

Abgesehen von dieser glücklosen Episode ist das Mechaniker-Dasein im nimmermüden Rallye-Tross eine spannende und prägende Zeit, nach der Walz allerdings seine Zelte im Kfz-Bereich und im Rennsport (vorerst) abbricht. Nach rund zehn Jahren Vollgas sucht er eine neue berufliche Herausforderung, um einen gewissen Abstand von der Branche zu gewinnen – die er im Prinzip schon von klein auf kennt.

Von der Pike auf gelernt – und das in allen Bereichen

„Mit Sicherheit hat mich da mein Vater beeinflusst. Der war mindestens genauso verrückt wie ich. Wir sind von Braunschweig ins Rhein-Main-Gebiet gekommen, als ich elf war, und dann bin ich bei jeder Gelegenheit zur Tankstelle, die gleich bei uns gegenüber stand. Mit 15 hab’ ich dort kurzentschlossen die Lehre angefangen.“

Siggi Walz ist ein Mann der Tat: Dank seines Know-how meistert der Mechaniker der Klassik Garage Kronberg jede Oldtimer-Herausforderung.

Walz ist eben ein Mann der Tat – und erweitert sein Wissen als Tankwart über Jahre hinweg in weiteren klassischen Kfz-Berufen. Neben dem erfolgreichen Abschluss als Kfz-Mechaniker kommen noch diverse Weiterbildungen dazu, „ich bedauere eigentlich nur, dass ich nicht noch den Kfz-Meister draufgesetzt habe“, sagt er heute rückblickend. So oder so ist er aber ein echter Allrounder – und die sind in der Szene nur ganz selten zu finden.

Eine Idealbesetzung in der Klassik Garage

Was eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielt, als Walz sich nach fast zwei Jahrzehnten branchenfremder Betätigung wieder auf seine Wurzeln besinnt. Wobei er übrigens zwischendurch mal eben noch einen Meisterbrief im Raumausstatter- und Parkettleger-Handwerk erworben hat! „Die Kontakte zur Szene waren ja immer da, und über einen gemeinsamen Bekannten konnte ich mich dann bei Klaus Flettner in Kronberg vorstellen, als es darum ging, seine Sammlung zu betreuen. Das war eigentlich die Grundidee, bei der aber auch schnell klar wurde, dass sich da noch mehr daraus entwickeln lässt. Wir beide hatten jedenfalls vom ersten Moment an einen guten Draht, meine Einstellung dazu hat auch gepasst, und so ging’s eben los mit der Klassik Garage.“

Mehr als zehn Jahre ist das jetzt her, und dass Siggi Walz in Sachen Oldtimer quasi das ideale Anforderungsprofil mitbringt, steht wohl außer Frage. Selbst wenn es bei so manchem Exoten etwas Eingewöhnung braucht, kommt der Mann doch mit all seiner Routine nur selten an seine Grenzen – weshalb er für die Jüngeren im Werkstatt-Team immer mal wieder erster Ansprechpartner ist. Gleichwohl gibt Walz zu Bedenken, dass es auch Grenzen gibt: „Man kann dem Nachwuchs zwar irgendwo Tipps zur Materie geben. Aber die Erfahrung, wie und warum man jetzt bei einer verflixt komplizierten Sache ans Ziel gekommen ist, die muss jeder selbst machen, sonst ist der Lerneffekt gleich Null.“

Ansprechpartner mit Anspruch

Was Walz damit meint, sind insbesondere jene Tiefschläge, die einen solange bis zur Verzweiflung treiben, bis irgendwann eine praktikable Lösung gefunden ist, die oft einiges an Improvisationskunst verlangt: „Du musst vor allem immer die nötige Eigeninitiative mitbringen, um ans Ziel zu kommen, und da hilft es nicht weiter, nur den Stecker der Onboard-Diagnose anschließen zu können. Neue und alte Autos, das sind nun mal zwei Welten. Meine Anfänge mit dem Opel B- und C-Kadett oder dem Manta sahen jedenfalls ganz anders aus. An die Umrüstung eines Golf GTI zum Beispiel kann ich mich gut erinnern. Dem haben wir mal für einen Rallyeeinsatz eine Kugelfischer-Einspritzung draufgesetzt und die halbe Stirnwand zurecht geschnitten, damit es passte.“

Beim Targadach eines Porsche 911 – mit dem sich Walz übrigens während unseres gesamten Gesprächs beschäftigt – ist indes gerade nicht ganz so viel schöpferische Kraft gefragt. Durch verbogene Schlossbügel ließ sich das Dach nicht mehr richtig schließen, was keine allzu große Herausforderung ist. Denn mit ein paar geschickten Handgriffen lassen sich die Bügel wieder in die richtige Form bringen.

Wenn Herausforderungen auf Know-how treffen

Der dazu nötigen Routine geht allerdings genauso ein Lernprozess voraus wie den vielen anderen Arbeitsschritten, die es speziell beim Instandsetzen oder gar der Restaurierung eines Klassikers wie des 911er bedarf. Mit etlichen Tücken hat man dabei zwar immer zu kämpfen, „das Gute ist, dass Du am Ende aber eigentlich nur einmal veräppelt wirst, danach weißt du, wie’s läuft“, bringt es der Profi auf den Punkt – den der Zuffenhausener Boxer noch zu keinem KO gezwungen hat.

Mechaniker Siggi Walz von der Klassik Garage Kronberg geht bei seiner Arbeit ganz akkurat vor.

Betrachtet man sich, wie akkurat Siggi Walz arbeitet, dann kann man sich beim Mechaniker der Klassik Garage Kronberg nur in den besten Händen fühlen.

In Eschborn ist der 911er bekanntlich ein gern gesehener Gast, bei dessen Betreuung auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgegriffen werden kann. Dennoch gilt es immer mal wieder, auch unvorhergesehene Herausforderungen zu meistern – über die man zur Not auch mal länger nachgrübelt, wie Walz sich erinnert: „Wir hatten einen 911er auf der Bühne, der mit einem undefinierbaren Geräusch an der hinteren Achsaufhängung genervt hat. Dem sind wir tagelang einfach nicht auf die Schliche gekommen. Ich musste mich aber erstmal in den Urlaub verabschieden und dachte, das wird schon. Als ich zurückkam, war die Sache nach wie vor nicht geklärt, weshalb man nochmal ran musste und ein Spiel in der Schwinge entdeckt hat, das sich nur durchs Einkleben des entsprechenden Lagers beseitigen ließ.“

Man(n) wächst mit seinen Aufgaben

Beharrlich an einer Sache dranzubleiben: Diese Tugend hat Siggi Walz insofern quasi perfektioniert. Wobei er noch etliche Beispiele auf Lager hat, die er zum Besten geben kann – ohne freilich zu viel zu verraten… Lange zurück liegt etwa die kuriose Story des Opel C-Rekord, um den er sich seinerzeit kümmern sollte: „Das war noch in der Zeit an der Tankstelle, der Rekord stand damals als fast frischer Neuwagen da. In dem Fall war es auch ein Klappergeräusch, das sich partout nicht aufspüren ließ, obwohl wir schon das halbe Auto auseinander genommen und wieder zusammen gebaut hatten.“

Doch wo ein Siggi ist, ist auch ein Weg: „Ich stand abends nach Feierabend davor und dachte, das gibt’s doch net, da muss doch was zu finden sein! Also nochmal die Rückbank raus, eine Verkleidung runter, und dann tauchten im Hohlraum des linken Seitenteils ein alter Turnschuh, zwei Bierdeckel und ein altes Einwegfeuerzeug auf! Das hatten ihm die Jungs am Band in Rüsselsheim wohl als Andenken mitgegeben, wobei die Sachen durch das ganze Wachs erst nach einer gewissen Zeit in Bewegung gekommen sind!“

Keine Frage, dass auch ein zum Klassiker gereiftes Fahrzeug heutzutage noch viele Geheimnisse für sich behalten kann, sofern es nicht komplett restauriert wird. Kunden, die die Klassik Garage ansteuern, können sich im Zweifel jedenfalls sicher sein, dass sie in Siggi Walz jemanden finden, der definitiv die Spürnase dazu hat, auch noch so rätselhafte Symptome richtig zu deuten!
Und vielleicht plaudert er dabei ja nochmal aus dem Nähkästchen…